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Rezensionen und Kritiken
Name: Yvonne Naumann
Datum: Samstag, 6 Dezember, 2003 um 15:32:53
Kommentar: Ich hab mich am Anfang etwas schwer getan mit dem Lesen, wollte den richtigen Einstieg nicht finden, endlich zu beginnen. Als Leserin hab ich mit dem Thema Vergewaltigung nicht unbedingt ein Problem, aber dann doch einen Roman dazu lesen. Geholfen hat mir, das ich den Autor kenne, also dich, ich hatte eines Tages das Gefühl, ich bin jetzt bereit für das was kommt. Und habe gehofft, du hilfst mir durch die Art wie du schreibst durch die Geschichte hindurch.
Deine Schreibart liegt mir sehr, du bist der geborene „Wort-Maler“, ein unheimlich guter Beobachter. Ich sehe was du schreibst, bin dabei, sitze daneben.
Du erzählst das Verhältnis aus der Sicht Bertrand – Suzanne aber Larbaud – Stephan.
Eine gute Idee!
Über die Rechtschreibfehler und Verwechslungen der Person, mal Er-Person, mal Ich-Person sehe ich gelassen hinüber, es ist sicher ärgerlich für dich, aber ich kann es als Leser verkraften.
Du hast letzte Woche gesagt, du hast mit dem Roman abgeschlossen, ich hoffe du nimmst mich trotzdem noch wahr.
Ich habe mir während des Lesens oft Notizen gemacht, die ich dir nicht vorenthalten möchte.
Kapitel 1 / 4 Seite 21
sehr gut und detailliert beschrieben, -bugsierte, hüpfte, schaukelte, pflügte
(arbeitest du mit Synonym-Wörterbuch?)
Kapitel 1 / 5 Seite 25
„Bis zu jenem Zeitpunkt ......ins Bett fanden.“
Ein Absatz der wirklich zum Nachdenken anregt, auch mich als Frau
Kapitel 1 / 6 Seite 27
„Er dachte über ....auf ihre Weise.“
Du kommst genau auf den Punkt, in seinem Resümee über Ihre Beziehung
Kapitel 1 ist sehr gut erzählt, ohne auf den wahren Grund ihrer Zurückhaltung zu kommen. Es gefällt mir, dass im 1. Kapitel nicht genau gesagt wird, was passiert ist, ich als Leser weiß es. Da es Stephan noch nicht erfährt wird deutlich und das Vorurteil entkräftet, solch eine tragische Erfahrung einer Frau steht ihr nicht auf der Stirn. Für ihn ist das Verhalten nicht automatisch an sowas geknüpft, das gefällt mir.
Kapitel 2 Seite 44
Obwohl du viel von Bertrand erzählst, ist mir Stephan vertrauter.
Sein Bild ist klarer gezeichnet im 1. Kapitel, als im2.Kapitel das von Bertrand.
Die Frage ist, war es Absicht, das ich zu diesem Eindruck komme, oder täuscht es mich und ich will es so sehen?
Kapitel 2/3 Seite 45
Wie du das Verhalten des Katers umsetzt ist sehr liebevoll erzählt.
Bertrand macht den Eindruck älter als Mitte 40 zu sein, wie ich dazu komme, keine Ahnung.
Kapitel 2/7
Die Vergewaltigung kommt für mich etwas plötzlich, vorher nur Einklang zwischen den Beiden..
Danach gehen ihr zu viele klare Gedanken durch den Kopf, sogar schon an ihre Pariser Freunde und deren Reaktion.
Teilweise auch eine Erklärung für sein Handeln, „... langsames Umsponnen werden ...“
Ab Seite 53 „.. oder gleich zur Polizei ...“, ich vermute das ist gedanklich zu klar und zu geordnet.
Kapitel 3/2 Seite 66
„ .. er kam auf Suzanne zu sprechen ...“ und später „ ... schnapp dir den Kerl ...“
Ich glaub es ja wohl nicht, das er dem erst besten Suzannes Geschichte erzählt!
Kapitel 3/3
18! x das Wort Vergewaltigung, einfach zuviel, es verkommt zum Normalwort.
Kapitel 3/4 Seite 73
Absatz beim Franzosen, du bist wirklich ein Meister der Aufzählung, präzise, abwechslungsreich und für mich vorstellbar.
Kapitel 3/5 Seite 75
„... Sein Hobby scheint zu sein ...“, ein unmöglicher Satz in dieser Situation!
Er hat bisher jedem davon erzählt, den er getroffen oder angerufen hat, (okay dem Buchladen-Besitzer nicht) finde ich zuviel.
Kapitel 3/6 Seite 76
Trotzdem fällt mir auf, wenn es Stephan jemanden erzählt, was Suzanne passiert ist, bleibt eine sofortige Reaktion des Anderen aus.
„ Jedenfalls ist sie vergewaltigt worden.“ klingt irgendwie nach: Jedenfalls hatte sie einen Autounfall!
Kapitel 3/7 Seite 79
Letzter Absatz – tolles Bild als Schlussakkord!
Kapitel 4/1
Endlich er denkt nach, das es ihn hätte stutzig machen müssen, „ ... jede dritte Frau ging es ...“
Kapitel 4/5 Seite 98
letzter Absatz „Die Vorstellung, ....Hofschranze „
Erstaunlich wie Männer Frauen gelegentlich auch sehen, danke für den Absatz, ich meine es wirklich im guten Sinne.
Kapitel 4/6 Seite 100
Ich bin etwas verwirrt, das er scheinbar nur Frauen trifft, die solch ein Erlebnis haben, ich denke jetzt natürlich über den Satz nach, „ ... jede dritte ...“
Kapitel 5/3 Seite 115
was ist denn ein „exorbitanter Haps“? Hab ich noch nie gehört, wobei ich das erste Wort meine. Das er ißt, ist mir schon klar, ich werde Herrn Duden bemühen.
Kapitel 5 nach 3
Ich hatte eigentlich das Gefühl an Suzanne liegt ihm mehr, sie kannten sich auch länger.
Sind Männer wirklich so, nächste Chance, nächstes Glück?
Warum ist er jetzt so verzweifelt, da es so aussieht als habe Bertrand Elisabeth nichts getan. Hätte er nur für Suzanne die Bremsengeschichte nicht gemacht, schade eigentlich.
Kapitel 5/7
Ich bin ziemlich schockiert über Stephan. Die ganze Zeit verflucht er sein Schicksal und nun wird er selbst zum Tier. Soll ich das als weiblicher Leser wirklich glauben, sowas steckt in jedem Mann? Ich will das nicht.
Kapitel 6
Wie sich Stephan und Bertrand begegnen, finde ich gut, kurz und schmerzlos ist er plötzlich da. Du wählst keine große Vorrede, kein Kennenlern-Szenario.
Kapitel 6/6
du kannst mir sehr intensiv ein Bild der Empfindungen von Stephan malen, als er die Opernmusik erlebt. Die beiden Herren führen ja richtig tiefergehende Gespräche. Ich wollte schon immer mal wissen, worüber Männer so reden.
Kapitel 7/2 Seite 169
„Sie suchen nicht nach Wahrheiten, sondern nach einem System, in dass sie ihre Erfahrungen einschachteln können.“ Empfinde ich leider auch so!
Kapitel 7/3 Seite 173
Isabelle macht es Männern ziemlich leicht und Stephan im Besonderen. Ich ahne was noch kommt.
Kapitel 7/3 Seite 172
Obwohl sie sich kaum im französischen unterhalten können, „fragte Isabelle Larbaud über die Mythologie der Insel aus und konnte gar nicht genug bekommen von all den Sagen?“ wie geht das denn?
Kapitel 7/3 Seite 174
Die Liebesszene von Stephan und Isabelle ist sehr offen beschrieben, voller Erotik.
Du (männlicher Autor) schreibst es aus der Sicht Stephans sehr einfühlsam und bewußt des Erlebens. Denn es geht immerhin um ihre Empfindungen, nicht um Seine.
Schade wie du sie darüber reden läßt, aber es ist endlich der Auftakt zu Suzannes Geschichte.
Erstaunlich das Larbaud noch soviel detailierte Erinnerungen an Sie hat.
Kapitel 7/5 Seite 183
„ ... und er käme in den Genuss einer Gratisvorstellung seines Lebens in zwei Sekunden.“
Woher nimmst du das, du schaffst es in einem Satz einen Bogen zu spannen, den andere nicht in einer ganzen Seite schaffen.
Kapitel 7/5 Seite 184
„ ... und der Alte lächelte sein zahnloses Lächeln und hob zum Gruß seinen Stock.“
Du beeindruckst mich, dein Bild bewirkt was in mir.
Ich glaube nicht mehr daran, dass Stephan zu Suzanne zurückfindet, wegen ihr hat er das alles auf sich genommen und nun, eigentlich liebt er sich auch nur quer durch Korfu. Es ist gut wenn du schreibst, „ ... eine Erinnerung die langsam verblasste.“
Etwas anderes hätte ich auch nicht zugelassen. Ich möchte nicht wirklich wissen, ob sie sich wirklich in Hamburg wiederfinden. Es ist soviel passiert mit Stephan, er hat sich ziemlich weit von Suzanne entfernt, nicht nur aus kilometer-technischer Hinsicht.
Dafür das du mir als Leser im Kladdentext schon vom buchbestimmenden Thema erzählst, passiert noch ziemlich viel und vor allem Unerwartetes.
Schreib was Neues, mal deine faszinierenden Bilder aufs Papier!
Danke Norbert
Yvonne
Name: Wolfgang A. Gogolin
Homepage: www.goxpower.de
Datum: Freitag, 20 Juni, 2003
um 10:45:51
Kommentar: Stephan, der bewusst französische Lebenskünstler mit kargem Filmkritiker-Einkommen, lernt die spröde Suzanne kennen und schätzen. Trotz langwieriger Versuche gelingt es ihm kaum, sich der jungen Dame seelisch und körperlich zu nähern. Die wurde nämlich auf einer griechischen Insel vergewaltigt, wie sie nach einiger Zeit erzählt.
Stephans heile Welt samt innerer Sicherheit gerät dadurch ins Wanken, kannte er doch leidende Opfer bislang nur virtuell durch Film oder als gedankliches Konstrukt, nicht im wirklichen Leben. Als moralisch empörter Frauenversteher begibt er sich nach Korfu, um Suzanne zu rächen und die Welt zu heilen, in der der Böse bestraft wird. Die Reise bietet ihm eine Fülle von Möglichkeiten, seine hohen moralischen Anforderungen an Andere mit eigenen Taten und Untaten in Einklang zu bringen. Oder eben auch nicht.
Zu den Stärken des Autors Norbert Krüger gehören die Beschreibungen zwiespältiger Gefühle und pittoresker Örtlichkeiten. Sehr schön und gut nachvollziehbar werden Widersprüche zwischen korrektem Gedankengut und unkorrektem Handeln herausgearbeitet. Der Protagonist spürt den Gegensatz überdeutlich und vermag sich doch nicht zu wehren. Man fühlt, wie ihm seine Vorstellung der Welt und der eigenen Person entgleitet.
Eher schwach sind Passagen, in denen etwas passiert, weil die Aktionen zu offensichtlich als Vehikel für Gedankenkaskaden dienen sollen. So auch die Schilderung der Vergewaltigung selbst – etwas mehr als 5 Sekunden Gegenwehr und die Frage ‚Was ist denn in Dich gefahren ?’ mit unverzüglicher Schicksalsergebenheit hätte es schon sein dürfen.
Das Buch ist umweht vom Charme der 70er Jahre des vergangenen Säkulums, Frauen wurden als die gut handelnden Menschen entdeckt und Männer als Täter mit bösartigen Penetrationsgelüsten.
‚Das dritte Prinzip’ fährt auf dieser Schiene: Wenn Frau bei Mann einzieht oder sich gar unbekleidet zu ihm ins Bett begibt, sind sexuelle Begehrlichkeiten des Kerls natürlich unstatthaft. Frau kann schließlich erwarten, dass ihr Opferstatus erahnt wird und außerdem sind doch alle Männer irgendwie Vergewaltiger.
Stephan, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, hat das so verinnerlicht und hinterfragt Suzannes Vergewaltigung und Verhalten nicht. Das erinnert an frauenbewegte Forderungen, die eine Bestrafung eines Täters auf die bloße Behauptung des Opfers hin verlangten, denn Frauen würden in diesen Angelegenheiten nicht die Unwahrheit sagen. Stephan findet es auch nicht seltsam, dass einer vergewaltigten Frau nichts Besseres einfällt, als sich für eine Mitfahrgelegenheit einen unbekannten Mann auszusuchen ...
Die auf den ersten Blick leichte Lektüre hinterlässt den Leser nachdenklich, nicht zuletzt wegen der brachial winkenden Symbole aus Musik und Filmzitaten nach dem Motto: Jetzt lies’ doch mal das Hintergründige zwischen den Zeilen !
Vielleicht steckt ja doch nicht in jedem Manne ein Vergewaltiger, aber ‚Das dritte Prinzip’ regt an, einmal das eigene Verhalten an dem zu messen, was man für gut und böse hält. Eine Lösung fehlt, was mich unbefriedigt gelassen hat. Aber vielleicht sollte man Befriedigung nicht gerade von einem Buch mit der Thematik ‚Vergewaltigung’ erwarten.
Lesenswert
Name: Andrea Schubert
Datum: Dienstag, 11 März,
2003 um 16:21:48
Kommentar: Ich war verwirrt und doch fasziniert von der Geschichte, die doch eigentlich Tag täglich auf dieser Welt passieren mag. Vielleicht nicht immer mit so dramatischem Ausgang aber dennoch in irgendeiner Weise anverwandt.
Selten habe ich ein Buch gelesen, daß sich so drastisch im Fortgang geändert hat. Und selten habe ich mich mit einer Geschichte so „verbunden“ gefühlt.
Vielleicht sind es einige selbst erlebte oder aus Erzählungen (Freundinnen) gemachte Erfahrungen die jede der Personen in diesem Roman so „natürlich“ machten. Auch für mich greifbar und verstehbar (nicht immer).
Das Ende....hätte nach meinem Geschmack vielleicht nicht ganz so drastisch ausfallen können, bin eher der Freund eines „Happy Ends“, aber es ist mit dieser Vorgeschichte eigentlich schon fast das „logische“ , wenn auch traurige Ende.
Alles in allem hat es mir wirklich gut gefallen und kaum hatte ich es ausgelesen, habe ich es meiner Schwester geliehen...."
Name: Edmund Schwan
Datum: Sonntag, 27 Oktober,
2002 um 13:43:04
Kommentar: Was macht jemand, der auf der Suche nach Nähe die Zähne ausbeißt ? So geht es
dem Journalisten Stephan mit der Frau seines Herzens. Es ist das langsame
Wachsen einer zunächst spröden Beziehung - aber er stößt immer wieder auf
Mauern.
Mauern, die gebaut sind aus Selbstschutz - und die eine einstmals fröhliche
junge Frau so verändert haben, daß sie sich nur noch um Unauffälligkeit bemüht.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, macht er sich auf nach Griechenland. Ohne
ein Konzept, aber mit dem Wunsch, den Menschen zur Rede zu stellen, dessen
Schatten sich über seine Freundin - und damit auch über ihre Beziehung - gelegt
hat.
Es ist eine Mischung von Haß und Neugier, die ihn treibt.
Völlig unverständlich, völlig undenkbar für ihn, warum ein Mann mit einer Frau
so umgehen sollte, wie es passiert ist.
Als er schließlich selber in eine ähnliche Situation kommt, wandelt sich die
Undenkbarkeit in ein Erschrecken vor dem, was selbst in ihm steckt.
Unterscheidet er sich eigentlich so sehr von seinem Kontrahenten?
Stephan macht eine Wandlung durch, die er sich nicht hätte träumen lassen. Und
er merkt, dass die Theorie - was nicht sein kann - und die Praxis - was dann
doch ist - reichlich weit auseinander liegen können...
Prädikat: Lesenswert!
Der Autor nimmt den Leser mit auf eine eher ungewollte Selbstentdeckungsreise.
Besonders gut gelungen ist dabei die Nähe zur Gedankenwelt der Hauptfigur. Diese
enge gedankliche Begleitung läßt den Spannungsbogen gelingen. In die nicht
wenigen Weichenstellungen wird der Leser einbezogen - er kann sich
identifizieren mit: "Mach' das bloß nicht, Mann!" oder "An deiner Stelle würde
ich genau so (oder - würde ich anders) handeln." Schade ist, daß die
Freundschaft, die Auslöser der Reise war, über den Erlebnissen völlig an den
Rand gerät. Und daß auch offen bleibt, ob sich das alles gelohnt hat... (aber
vielleicht kommt es gar nicht darauf an ?)
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